Kolumne

Datum: 3/2014

Druckansicht

Gruenschwaeche_9-559034c377.jpg

Kolumne: Gut gegen Grünschwäche (9)

Mit gutem Beispiel voran

Ganz ehrlich, ich wollte bereits aufgegeben. Seit inzwischen zweieinhalb Jahren versuche ich meinem gezähmten Stadtkind, die wilde Natur näher zu bringen. Und es gab auch Teilerfolge: Milla näherte sich auf einer Waldexpedition Regenwürmern, bastelte voller Begeisterung ein Frühlingsblumenmemorie und betritt den Streichelzoo inzwischen ohne „Auf den Arm! Auf den Arm!“ zu rufen.

Ich hatte also Hoffnung, Milla letztendlich doch relativ natürlich aufwachsen zu sehen. Bis wir nun im Urlaub waren. An der Ostsee. Wir hatten ein Ferienhaus gemietet, in dem es selbstverständlich mehr Insekten und Spinnen gab, als in unsere Großstadtwohnung im fünften Stock. Das bedeutete: Ein Spinnennetz im Strandkorb, der vor dem Haus stand, war Grund genug, dass Milla darin auf gar keinen Fall sitzen konnte. Eine Fliege auf ihrem Tellerrand und diverse Mücken verhinderten das Frühstück und Abendessen unter freiem Himmel. Und eine dicke Raupe, die vor der Haustür entlang schlich, zwang uns einen großen Bogen um sie zu machen.

Ein herber Rückschlag, über den ich mich sehr geärgert habe – und mich fragte, wie das sein konnte. Mein Freund hatte die Begründung parat: „Sie macht dich doch einfach nur nach.“ Er weiß, dass ich mich beim Anblick von Fliegen auf meinem Essen, reflexartig schüttele und sage: „Bäh, und vorher haben die auf Hundekot gesessen“, dass ich wegen jedem kleinen Mückenstich furchtbar jammere, dass ich sofort nach dem Mann rufe, wenn es sich eine Spinne im Waschbecken gemütlich gemacht hat.

Meine neue Strategie setzt also nun erst einmal bei mir an. Naturliebe vorleben, ist das neue Motto. Und dazu habe ich mir nun auch schon etwas überlegt. Seit zwei Jahren haben wir auf einer Insel im Tegeler See ein kleines Grundstück gepachtet, wo es so komfortabel wie auf einem Campingplatz ist. Nachts schleicht man aufs Klo, es gibt kein Trinkwasser. Unter unserem Wagen hausen Nacktschnecken, Spinnen so groß wie Tischtennisbälle und Kellerasseln. Ih! Ih! Ih! kann ich da eigentlich nur sagen (mache ich jetzt selbstverständlich nicht mehr). Bis heute habe ich dort auch noch nie übernachtet. Das soll sich ändern. Auch werde ich nie wieder lautstark über Mücken und Fliegen schimpfen, geschweige denn wegen einer Spinne um Hilfe rufen. Ich werde mit gutem Beispiel vorangehen! Für sein Kind muss man schließlich auch mal Opfer bringen.