Kolumne

Datum: 03/2015

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Kolumne: Gut gegen Grünschwäche (13)

Die richtige Dosis Natur

Eltern sollten sich keine Studienergebnisse zum Thema Kinder in der Natur durchlesen. Man fühlt sich danach immer schlecht. Ich habe es trotzdem wieder getan. Dieses Mal war es eine Umfrage im Auftrage der Deutschen Wildtier Stiftung.

Das Ergebnis hat mich zunächst nicht überrascht: Kindern zwischen vier und 12 Jahren fehlt der Kontakt zur Natur, stand da. Sie würden zu wenig im Wald spielen, durch Bäche waten und – besonders unschön für den Verband – Wildtiere beobachten. Auch von den dort aufgezählten „dramatischen“ Folgen einer Kindheit ohne Wald- und Wiesenspiele hatte ich schon gelesen. Naturerfahrungen seien für die kindliche Entwicklung enorm wichtig, würden die motorischen Fähigkeiten, das Sprachvermögen, das Selbstbewusstsein und die soziale Kompetenz der Kinder fördern.

Nicht ganz so erwartbar war allerdings der vermutete Grund für die Naturferne. Schuld seien nicht etwa Fernseher, Videospiele oder mangelnde Parkanlagen in der Nähe des Elternhauses, sondern wahrscheinlich die neue Ängstlichkeit der Eltern, meint ein Experte.

Auf die Frage „Würden Sie einen zehnjährigen Jungen allein mit seinem Freund im Wald spielen lassen“ antworteten 53 Prozent der befragten Eltern mit Nein. Ich weiß nicht, was ich gesagt hätte. Milla ist gerade einmal halb so alt, da reicht meine Vorstellungskraft nicht aus.

Aber, ich muss jetzt schon zugeben: Meine Tochter gehört zu der Hälfte aller deutschen Kinder, die noch nie allein auf einen Baum geklettert sind. Milla hat selbst mit unserer Hilfe noch nie auf einem Ast gestanden, der höher hing als eine Schaukel auf dem Spielplatz. Sind wir Helikoptereltern, die ihrem Kind die Natur vorenthalten? Das geht natürlich nicht.

Ich habe meinen Freund also gedrängt, sich ein Flora- und Fauna-Erlebnis fürs Wochenende zu überlegen. Er hat daraufhin eine Führung durch den Botanischen Garten gebucht. Nicht ganz das, was ich mir unter hemmungslosem Naturkonsum vorgestellt hatte, aber mal schauen, vielleicht finden wir dort ja einen Baum, den Milla unbeaufsichtigt besteigen kann.