Kolumne

Datum: 1/2015

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Kolumne: Gut gegen Grünschwäche (11)

Bitte, frag mich nicht

Unsere Wochenendausflüge in die Natur lassen mich meist nicht besonders gut aussehen. „Sind das Kirschen? fragt Milla und hält mir irgendwelche Beeren unter die Nase. Alles was ich sagen kann, ist: „Nein.“ Viel mehr fällt mir zu den roten Dingern leider nicht ein. Außer vielleicht noch: „Die darfst du nicht essen“. Wobei ich das natürlich gar nicht weiß. Dann stellt Milla aber schon wieder die nächste Frage: „Sitzt da ein Fink?“ Meine differenzierte Antwort diesmal: „Ich glaube nicht.“ Ich mache ein Foto mit meinem Handy und verspreche, dass wir später nachschauen, was das für ein Vogel ist.

Naturkunde sechs, ich kann mich setzen - und brauche dringend professionelle Nachhilfe für Milla. Ich finde sie als ich im Internet nach dem Vogel fahnde, der zum Glück wirklich kein Fink war, sondern eine Meise. Ich gebe Naturveranstaltungen und Naturerkundungen in die Suchmaschine ein. Und bin überrascht. Wenn das Angebot der Nachfrage entspricht, scheinen viele Stadtmenschen das Gefühl zu haben, sie müssten ihren Kindern dringend mehr Natur bieten. Und haben zu wenig Zeit, Lust, Ahnung um es selbst zu tun.

Das Angebot ist ungefähr so groß wie meine Wissenslücke in Sachen Biologie. In fast jeder größeren Stadt werden regelmäßig Expeditionen veranstaltet. Im aktuellen Programm des Berliner Ökowerks zum Beispiel können Kinder sich im „Wasserforscherlabor“ erklären lassen, wie ein Froschfahrstuhl funktioniert oder bei „Fuchs & Dachs, Wildschwein & Reh“ wie sich Waldtiere auf den Winter vorbereiten. Im Freilandlabor Britz werden Erkundungstouren mit vielversprechenden Titeln wie „Bäume an den Knospen erkennen“ angeboten. Mit Sicherheit finde ich auch noch Kurse in denen rote Beeren und Wintervögel eine wichtige Rolle spielen. So dass mir Milla auf unseren zukünftigen Wochenendausflügen bei der Beantwortung ihrer Fragen dann hoffentlich weiterhelfen kann.