Kolumne

Datum: 4/2014

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Kolumne: Gut gegen Grünschwäche (10)

Der urbane Blick

Meine Tochter hat die Bücherei für sich entdeckt. Ein Buch, das sie nun schon mehrfach ausgeliehen hat, handelt von einem kleinen Fuchs, der mit seinen Eltern und Geschwistern im Wald lebt. Man erfährt, wie er dort spielt, jagt, erwachsen wird – und in einem Bau wohnt.

Der Fuchs ist bei uns also gerade großes Thema. Nicht nur wegen des Buches. In Millas Sportstunde ist ein Spiel sehr beliebt, in dem zwei Kinder (die Füchse) die restliche Gruppe (Hühner) fangen (also fressen) müssen. Und bei den Geschichten um Pettersson und Findus findet meine Tochter die am spannendsten, in der der alte Schwede und sein Kater einen hungrigen Hühnerdieb austricksen wollen.

Einen echten Fuchs hat Milla allerdings noch nie gesehen. Sie fragt mich deshalb viel nach dem kleinen – ihr unbekannten – Räuber. Gern zeigt sie zum Beispiel auf irgendein Loch im Boden – kürzlich auf einen offenstehenden Gulli – und meint: „Das ist bestimmt ein Fuchsbau.“ Und ich versichere ihr dann: „Nein, hier mitten in Berlin, lebt der nicht.“

Vor ein paar Tagen kam es allerdings doch zu einer städtischen Begegnung. Wir fuhren mit dem Fahrrad auf einer vierspurigen Strasse, mitten durch Kreuzberg. Plötzlich ein Rascheln in der Hecke, die zu einer kleinen Grünfläche gehört – und dann flitzte ein rostroter Blitz vor uns über die Fahrbahn.

In der Stadt lernen Kinder Tiere anders kennen als auf dem Land – was zwangsläufig zu einer doch recht urbanen Vorstellung der jeweiligen Spezies führt: Laut Milla hocken Füchse seit unserem zwar kurzen, aber deshalb nicht weniger aufregenden Zusammentreffen im Gebüsch und machen krkrktrkrk, das Geräusch, das Krallen bei hektischer Flucht über Asphalt erzeugen.

Auch ihr Bild von Karpfen und Forellen würde ich als eher städtisch-verzerrt bezeichnen. Nachdem Milla schon mehrfach das Buch „Der Regenbogenfisch“ ausgeliehen hatte, waren wir am vergangenen Wochenende im Berliner Zoo-Aquarium. Hier gibt es gleich im Eingangsbereich ein Becken, in das Kinder ihre Hände stecken können, damit die Tiere sanft nach ihnen schnappen. Ein aufregender Spaß. Nur leider bleibt Milla nun ständig an jedem Tümpel stehen und möchte Fische streicheln.