Kolumne

Datum: 2/2014

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Kolumne: Gut gegen Grünschwäche (8)

Streicheleinheiten

Milla hat als Stadtkind ihren ganz eigenen Weg gefunden, regelmäßig mit Tieren in Kontakt zu treten. Jeden Tag tätschelt sie zum Beispiel mindestens drei Hunde. Sieht sie einen auf der Straße, müssen wir hin, fragen, ob wir ihn streicheln können – und ich darf mich im Smalltalk mit Herrchen oder Frauchen üben, während Milla versucht, den aufgeregten Zottel zu fassen zu bekommen. Außerdem müssen wir fast jedes Wochenende in den Zoo und dort schnurstracks zu den kleinen Ziegen, Schafen, Ponys. Die sind zwar stets von den Besuchermassen so überfüttert, dass man ihnen die Tüte Trockenbrocken einfach vor die Füße kippt, doch das ist Milla egal. Hauptsache, das Getier kann gestreichelt werden. Vor kurzem sind nun auch noch zwei Frauen mit ihren Katzen in die Nachbarwohnung gezogen. Fast täglich will Milla zu ihnen rüber gehen. „Aber nur mit dir!“ Wir kennen die Frauen inzwischen besser als unsere langjährigen Hausmitbewohner.
Das alles ist sicherlich recht niedlich und im Zuge der Naturalisierung meiner Tochter nicht verkehrt, es kann jedoch auch nervig werden. Wenn man zum Beispiel in Eile ist – und uns ein Dalmatiner entgegenkommt. Die „Punktehunde“ sind Millas Lieblinge. Oder wenn man die Nachbarin zum dritten Mal in Folge aus der Dusche geklingelt hat.
Deshalb hatten mein Freund und ich kurz überlegt, ob es nicht praktischer wäre, ein eigenes Tier einfach zu Hause zu haben, auf Abruf streichelbar. Und auf die vorsichtige Frage, ob sie denn an einem Haustier Interesse hätte, schrie Milla uns ein hysterisches „Ja!“ entgegen. „Ein Hund wäre toll. Oder eine Katze, die dann immer schnurrt. Vielleicht auch ein Papagei. Der kann dann bei mir auf der Schulter sitzen.“ Lauter schöne Vorstellungen.
Dass Milla trotzdem immer noch kein Haustier hat, liegt an Micky. Micky war mein Zwergkaninchen, das ich als Kind bekommen hatte. Die ersten zwei Jahre fand ich ihn toll. Es wurde stolze 12 Jahre alt. Die letzten zehn Jahre war meine Mutter für ihn und seine Stallreinigung zuständig. Würde ich mich also bald ums Gassigehen oder das Katzenklo kümmern oder einenPapage auf der Schulter tragen? Nein, bitte nicht! Dann doch lieber Nachbarinnen aus der Dusche klingeln, Passanten auf die Kinderfreundlichkeit ihrer Hunde ansprechen oder zum 100sten Mal Geld in den Trockenfutterautomaten stecken.