Kolumne

Datum: 03/2013

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Kolumne: Gut gegen Grünschwäche (6)

Tierliebe im Kleinen

Auf dem Weg von der Kita nach Hause gehen meine Tochter und ich durch einen Park. Milla rennt vor, bleibt unvermittelt stehen, geht in die Hocke und verharrt. Beim Näherkommen sehe ich, dass sie Ameisen beobachtet. Sie schaut. Eine Weile. Dann nimmt sie einen Stein und macht eines der Krabbeltiere platt.

„Nein! Du kannst doch nicht einfach ein Tier töten“, rufe ich und bin erschrocken. Weiß sie denn nicht, dass das ein Lebewesen ist? Doch Milla will mich beruhigen: „Die anderen Ameisen tragen die jetzt in den Bau, da wacht sie dann wieder auf.“ „Nein, so funktioniert das nicht. Die haben doch auch nur ein Leben, so wie wir“, sage ich bestimmt und fühle mich dabei pädagogisch sehr wertvoll. Milla legt den Stein wieder weg – und schaut den Insekten weiter zu. Eine Weile. Dann nimmt sie einen Stock und bohrt damit im Ameisenbau, so dass unzählige Tiere hektisch herausgegrabbelt kommen. Faszinierend.

Doch was sage ich jetzt? Sie soll ja mit der Natur experimentieren. Aber wo liegen die Grenzen?

Am Abend lese ich zum Thema „Kinder quälen Tiere“ im Internet – und stoße auf gruselige Szenarien. Eltern erzählen von ihrem Nachwuchs, der Insekten mit der Lupe verbrennt oder den Hund vors Skateboard spannt. Erwachsene erinnern sich, wie sie früher aus Spaß Fliegen in der Mikrowelle gekocht oder Fröschen einen Strohalm in den Anus gesteckt und sie dann aufgeblasen haben.

So etwas soll Milla bitte niemals machen. Vielleicht braucht sie ein Haustier, um den Unterschied zwischen leblosem Spielzeug und einem Spielgefährten zu lernen. Allerdings: Für einen Hunde oder eine Katze habe ich keine Zeit, Nager in Käfigen tun mir leid und ein Pferd ist zu teuer.

Ich muss mir anderes Lernmaterial suchen: In Zukunft werden wir in unserer Wohnung Fliegen nur noch vorsichtig mit der Hand fangen, Spinnen liebevoll in Gläser lotsen und beim nächsten Gang durch den Park lasse ich Milla mal eine Ameise über die Hand laufen. Tierliebe im Kleinen, die sich hoffentlich auch auf Hund, Katze, Pferd überträgt.