Kolumne

Datum: 2/2012

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Kolumne: Gut gegen Grünschwäche (2)

Echte Tierliebe

Die Lieblingstiere meiner Tochter waren bislang aus Plüsch, lebten im Berliner Zoo oder in Bilderbüchern. Blökende Schafe und wiehernde Pferde kannte sie nur von einer iPhone-App namens „Muh-Box“. Um das zu ändern, buchte ich Agrotourismo auf Mallorca. Nicht nur, dass Agrostourismo besser klingt als „Ferien auf dem Bauernhof“, nein, der Finca-Besuch versprach neben Ziegen, Hunden und Hühnern auch noch Sonne, Orangenbäume und einen kindersicheren Pool.

Im Nordosten der Insel angekommen, nahm ich Milla an die Hand und stellte ihr alle Tiere vor. So gut es ging. Denn auf die Ziegen, die ihre Hälse wie irre durch den Maschendrahtzaun streckten, das Pferd, das auf sie hinab schnaubte, die aufgescheuchten Hühner und die hin und her springenden Kläffer, reagierte meine Tochter mit panischen „Auf den Arm“-Rufen. Diese Vorzeige-Exemplare konnten wir also erstmal nicht streicheln, sondern streichen.

Als sanfter Einstieg in die lebendige Tierwelt funktionierten immerhin die Meerschweinchen, geschätzte 1000 „Meer-heinchen“ (wie Milla sie nannte), die man mit Gras füttern konnte und denen wir jeden Tag vor dem Frühstück „Guten Morgen“ sowie nach dem Abendessen „Gute Nacht“ sagen mussten.

Mit Hühnern und Ziegen freundete sie sich aber bis zum Schluss nicht an. Und zurück in Berlin machte Milla wieder nur Bekanntschaft mit ausgestopften, gemalten und gepixelten Tieren. Ich war gescheitert. Und buchte bockig sofort wieder Agrouturismo auf Mallorca.

Natürlich waren die Meerschweinchen weiterhin die Stars – aber meine Tochter traute sich diesmal sogar in ihr Gehege. Das Pferd fütterte sie nun schon mit den herumliegenden Hülsen eines Johannisbrotbaumes. Mit einem der kleineren Hunde ging sie spazieren (oder umgekehrt) und sie konnte sich nach ein paar Tagen sogar in der Nähe der Horrorziegen aufhalten – ohne zu schreien.

Ich bin mir sicher, beim nächsten Besuch, der natürlich schon gebucht ist, melkt sie die Ziegen, kommandiert die Hunde und reitet das Pferd. Keine Angst vor großen Tieren zu haben, ist anscheinend eine Frage der Beharrlichkeit. Blöd nur, dass Milla bestimmt bald auch zu Hause beharrlich ein Pferd haben will.